Siux Valkiria Pro 26 – Technischer Testbericht
Der Valkiria Pro ist der Schläger von Sofía Araújo und wird von fast jedem Online-Shop als das leichte, wendige Modell der Siux Pro-Reihe angeboten. Das stimmt auch, allerdings aus einem anderen Grund, als die Produktbeschreibungen vermuten lassen. Das kurze Fazit vorab: Dies ist der fehlerverzeihendste Schläger der Serie, und das liegt daran, dass die Steifigkeit hier vom Schlägerblatt und nicht vom Kern ausgeht.
Was die Waage sagt
Ein getestetes Exemplar bringt aus der Verpackung heraus 355 Gramm auf die Waage, bei einem Schwungpunkt von 26,5 Zentimetern. Die Herstellerangabe reicht von 340 bis 360 Gramm, dieses Exemplar liegt also am oberen Ende des Bereichs, und dennoch ist es der leichteste der drei gemessenen Siux Pro-Schläger. Der Electra Pro wog 370 Gramm, der Fenix Pro 360.
Am interessantesten ist der Vergleich mit dem Electra. Dieser hat genau denselben Schwerpunkt von 26,5 Zentimetern, wiegt aber fünfzehn Gramm mehr. Bei diesem Schläger wurde bereits angedeutet, dass man Schwerpunkt und Gewicht immer zusammen betrachten muss, und hier haben wir das Paradebeispiel: zwei Schläger mit identischem Schwerpunkt, von denen sich der eine beim Schwung spürbar schwerer anfühlt als der andere. Der Valkiria hat von den dreien das geringste Schwunggewicht, und daraus ergibt sich seine Wendigkeit.
Auch hier gilt die Gewichtsstreuung von 20 Gramm innerhalb derselben Modellbezeichnung. Fragen Sie beim Kauf im Geschäft nach dem Gewicht oder wiegen Sie den Schläger selbst, denn ein Exemplar mit 340 Gramm ist ein anderer Schläger als dieses Exemplar.
Der Kern: EVA Soft
Hier liegt der technische Unterschied zu den anderen beiden, und es lohnt sich, einen Moment darauf einzugehen.
Beim Electra Pro und beim Fenix Pro kommt die Steifigkeit aus dem Kern – hartes EVA unter einem steifen Rahmen. Beim Valkiria ist es umgekehrt. Der Kern ist weich und nachgiebig, während die Steifigkeit von der Oberfläche kommt. Dadurch bleibt der Ball etwas länger auf dem Blatt liegen, ohne dass der Ballabgang träge wird. Man erhält Richtungskontrolle durch das Blatt und Ballgefühl durch den Kern, anstatt dass das eine auf Kosten des anderen geht.
Darin liegt auch gleich der Preis. Wenn die Steifigkeit von der Oberfläche kommt, kann die Kraft nicht aus dem Kern kommen, da dieser kaum zurückfedert. Und bei 355 Gramm kommt sie auch nicht aus der Masse. Dieser Schläger hat von den dreien die geringste Kraftentfaltung, und das ist kein Nachteil, sondern die Kehrseite derselben Entscheidung: Man tauscht Endgeschwindigkeit gegen einen Schläger ein, der Fehler auffängt.
Der Schlägerblatt: 24K Carbon Aluminized
Auch hier gibt die K-Zahl lediglich an, wie viele Tausend Filamente ein Bündel enthält, sagt aber nichts über die tatsächliche Steifigkeit aus. Bei diesem Schlagblatt liegt der Unterschied daher im Wort dahinter. „Aluminized“ bedeutet, dass Aluminium in die Carbon-Schicht eingearbeitet wurde, was das Schlagblatt steifer und direkter macht, ohne dass es an Dicke gewinnt.
Man spürt einen Schläger, der kaum nachfedert und beim Kontakt eine etwas metallische Rückmeldung gibt. Das klingt hart, und an sich ist es das auch, aber hier liegt der Schläger auf einem weichen Kern statt auf einem harten. Diese Kombination ist der Grund dafür, dass sich dieser Schläger anders verhält, als die Spezifikationsliste vermuten lässt.
Blattform und Schwerpunkt
Der Valkiria hat eine Tropfenform mit mittlerer Balance. Der Sweetspot liegt etwas oberhalb der Mitte des Schlägerblatts, höher als bei einer runden Schlägerblattform und deutlich tiefer als bei der geometrischen Form des Fenix Pro. Wichtiger als die Position ist hier die Größe: Der weiche Kern vergrößert den Sweetspot, da der Schaumstoff bei nicht zentriertem Kontakt einen Teil der Energie auffängt, anstatt sie entweichen zu lassen. Deshalb ist dies der beste Defensivschläger der drei, und die Form ist dafür nicht der Grund.
Bei 355 Gramm und 26,5 Zentimetern trifft die von den Online-Shops versprochene Wendigkeit also durchaus zu. Diese ergibt sich jedoch nicht aus der Blattform, denn diese ist nahezu identisch mit der des Electra Pro. Sie resultiert vielmehr aus dem fehlenden Gewicht.
Tuning mit den Dämpfern
Auch der Valkiria wird ab Werk nicht mehr mit ShockOut-Dämpfern im Schlägerblatt ausgeliefert. Diese sind separat erhältlich und haben bei einem Schläger mit weichem Kern eine andere Wirkung als bei den beiden anderen Modellen. Kern und Dämpfer wirken nämlich auf unterschiedlichen Ebenen: Der Kern federt den Aufprall ab, die Dämpfer beseitigen die Restschwingungen aus dem Schlägerblatt selbst. Man kann die Dämpfung hier also erhöhen, ohne dass das Ballgefühl verloren geht.
Wenn man hart schlägt, ist das kein überflüssiger Luxus. Ein weicher Kern hat einen begrenzten Verformungsspielraum, und bei einem vollen Smash ist dieser aufgebraucht, bevor der Ball den Schlägerkopf verlässt. Ab diesem Punkt federt der Schaumstoff nichts mehr ab, und der Schlag geht direkt durch das Carbon hindurch, bis zum Handgelenk und zum Ellbogen. Gerade bei diesem Schläger sind die Dämpfer also keine rein kosmetische Ergänzung.
Für die Einstellung gilt das bekannte Prinzip: Mit jeweils 0,9 Gramm verändert ein einzelner Dämpfer das Gesamtgewicht kaum, aber der Beitrag zum Schwunggewicht steigt quadratisch mit dem Abstand zum Handgelenk. Von den dreien ist dies der einzige Schläger, bei dem die Ausrichtung nach oben interessant ist. Beim Fenix Pro wird empfohlen, alles unten anzubringen, da diese Schablone bereits kopflastig genug ist. Hier hingegen ist Platz: Bei 355 Gramm und dem niedrigsten Schwunggewicht der drei kannst du Dämpfer in die oberen Lochreihen einsetzen und so an Power gewinnen, ohne dass der Schläger sofort schwerfällig wird. Wenn du ihn hingegen als reinen Kontrollschläger nutzen möchtest, lass die oberen Löcher leer.
